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04. Januar | Kalenderblatt

Landschaftspark Duisburg Nord | Duisburg-Hamborn | 2003 | (c) Rainer Wermelt | rainerwermelt.de

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  • 2018 | Philipp Jenninger
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    Ansprache des Präsidenten des Deutschen Bundestages, Dr. Wolfgang Schäuble, beim Staatsakt für Bundestagspräsident a.D. Dr. Philipp Jenninger am 18. Januar 2018 in Berlin:
    "Herr Bundespräsident! Liebe Frau Jenninger! Liebe Familienangehörige! Frau Bundeskanzlerin! Herr Präsident des Bundesrats! Herr Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts! Eminenz! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir trauern um Philipp Jenninger. Er ist am 4. Januar im Alter von 85 Jahren verstorben. Philipp Jenninger hat die Politik der Bundesrepublik Deutschland über viele Jahre mitgestaltet – als leidenschaftlicher Parlamentarier, in Regierungsverantwortung, als Präsident dieses Hauses. Unser Land verliert mit ihm einen verdienten Repräsentanten – und ich selbst einen langjährigen Wegbegleiter, dem ich politisch eng verbunden war und den ich als Mensch sehr geschätzt habe. In die Politik fand Philipp Jenninger Ende der 60er Jahre als persönlicher Mitarbeiter zweier Bundesminister – zuerst beim einstigen CDU-Mitbegründer und langjährigen Fraktionsvorsitzenden Heinrich Krone und ab 1966 als politischer Referent bei Bundesfinanzminister Franz Josef Strauß. So sammelte Philipp Jenninger in vorderster Reihe politische Erfahrung, und er erwarb sich das Vertrauen beider. Sie blieben nicht die Einzigen, die seine Vertrauenswürdigkeit schätzten und die von seinen Fähigkeiten profitierten. Die Politik war ihm also vertraut, als er 1969 in den Deutschen Bundestag gewählt wurde – im Alter von 37 Jahren, als direkt gewählter Abgeordneter in seinem württembergischen Wahlkreis Crailsheim, später Schwäbisch Hall. Seine Popularität hielt über die 21 Jahre, die er dem Deutschen Bundestag angehörte, und darüber hinaus. Ich konnte das am vergangenen Freitag bei der Messe und bei der Beisetzung in Ellwangen spüren. Philipp Jenningers parlamentarisches Wirken begann im Haushaltsausschuss – nach seiner Zeit im Bundesfinanzministerium naheliegend. Als Karl Carstens 1973 Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion wurde, schlug er Philipp Jenninger als Parlamentarischen Geschäftsführer vor. Carstens kannte den Bonner Betrieb aus seiner Erfahrung als Staatsrechtslehrer, als Staatssekretär im Auswärtigen Amt und im Verteidigungsministerium, als Chef des Bundeskanzleramts. Im Parlament war er – wie ich – seit 1972, also Neuling. Er brauchte Philipp Jenninger, der in der Fraktion allseits Vertrauen genoss. Dieses Vertrauen war besonders gefragt in den Jahren, in denen Helmut Kohl als Parteivorsitzender nach bitteren Auseinandersetzungen mit Franz Josef Strauß Kanzlerkandidat wurde, und erst recht nach der nur knapp nicht gewonnenen Wahl 1976 im Zeichen des CSU-Trennungsbeschlusses von Kreuth. Es spricht für Philipp Jenninger, dass auch Kohl ihn als Ersten Parlamentarischen Geschäftsführer vorschlug und dass er über die Jahre bis 1982 in der Fraktion und danach im Kanzleramt der engste Vertraute von Helmut Kohl war und zugleich immer auch bei Franz Josef Strauß Persona grata blieb. Philipp Jenninger hielt die Fäden in der Hand, er organisierte und koordinierte in dieser Vertrauensposition, nicht im Scheinwerferlicht, mit der Pflicht, zu vermitteln, und mit der Pflicht und dem Recht, einzugreifen, damit die Dinge nicht aus dem Ruder laufen. Philipp Jenninger half mit viel Geschick, das Machtzentrum um Kohl zu festigen – ein politisches Lehrstück, das wesentlich Jenningers Handschrift trug. Der Kohl-Biograf Hans-Peter Schwarz schrieb über diese Zeit, dass Helmut Kohl "in diesen kritischen Jahren" nicht gescheitert ist, sei "in erster Linie" Philipp Jenninger zu verdanken. Das ist die Sicht des Historikers. Sie spricht für sich. Ich selbst kann bestätigen, dass Philipp Jenninger in der Fraktion eine unbestrittene Autorität war. Ich erlebte ihn vor allem ab 1980 aus nächster Nähe. Ich habe viel von seiner politischen Erfahrung profitiert, und ich lernte seine immer grundanständige Art schätzen. Als enger Vertrauter von Helmut Kohl war es folgerichtig, dass Philipp Jenninger mit dem Regierungswechsel 1982 ins Kanzleramt wechselte: als Staatsminister. Jenninger wollte gestalten. Er hatte als Kind die Diktatur erlebt und den Zweiten Weltkrieg. Macht war für ihn kein Selbstzweck. Er trat engagiert für die Demokratie ein. Er wollte seine Überzeugung teilen und andere dazu bringen, sich gleichfalls einzusetzen. "Demokratie muss gelebt werden", so hat er gerne Konrad Adenauer zitiert. Philipp Jenninger konnte unduldsam werden, wo er die Grenzen des Zulässigen überschritten sah. Er kannte keine Berührungsängste, schon gar nicht, wenn es um die Verteidigung seiner Wertvorstellungen ging. Und er betrachtete es als Ehre, für den demokratischen Rechtsstaat zu arbeiten, für "die freiheitlichste Republik, die es je auf deutschem Boden gab". So hat er es gesehen, und dafür ist er eingetreten. Im Kanzleramt war er für die deutsch-deutschen Beziehungen zuständig. Diese Besonderheit war der deutschen Teilung geschuldet. Die DDR war für die Bundesrepublik Deutschland nicht Ausland, und umgekehrt akzeptierte die SED kein gesamtdeutsches oder innerdeutsches Ministerium in Bonn. Nach den Auseinandersetzungen um die Ost- und Deutschlandpolitik in den 70er Jahren und im Ringen um den Vollzug des Nato-Doppelbeschlusses war die Deutschlandpolitik in der Anfangsphase der Regierungszeit Kohl eine besonders delikate Aufgabe. Dafür war Philipp Jenninger der richtige Mann – natürlich auch wegen seiner Vertrauensbasis mit Franz Josef Strauß. Zusammen mit dem DDR-Unterhändler Alexander Schalck-Golodkowski haben sie den Milliardenkredit vereinbart, mit dem das Eis gebrochen wurde. Wirtschaftliche Leistungen gegen menschliche Erleichterungen, das war die Grundformel für unsere Politik in den 80er Jahren: Solange Deutschland geteilt war, die Folgen für die Menschen zu lindern, die Mauer wenigstens durchlässig zu machen, um so auch an der Einheit der Deutschen festzuhalten. Festigkeit in Grundsatzfragen und Bereitschaft zu pragmatischer Zusammenarbeit, wann immer dies bei unterschiedlichen Grundsatzpositionen möglich war. Für Philipp Jenninger war die deutsche Einheit nicht primär eine Frage der Grenzen, des Territoriums und der Bündnisse. In seinen Worten hieß das: "Sie ist fundamental eine Frage der Menschenrechte, der Freiheit, der Selbstbestimmung und des Friedens." Mit seiner Prinzipientreue und mit seiner Verlässlichkeit gewann er auch schnell das Vertrauen seiner Gesprächspartner in Ost-Berlin. Damals hat niemand geahnt, dass nicht einmal sieben Jahre später die Mauer wieder verschwinden würde. Aber es wurde damals selbst gegen Druck aus Moskau eine Eiszeit in den deutsch-deutschen Beziehungen vermieden. Es wurden Familienzusammenführungen erleichtert, Selbstschussanlagen abgebaut, die Zahl der jährlichen Westreisen aus der DDR im Laufe der 80er Jahre auf über sieben Millionen gesteigert, um nur einige Punkte zu nennen. Für all das hat Philipp Jenninger den Grund gelegt. Nach dem Rücktritt von Rainer Barzel als Bundestagspräsident war es der breite Wunsch der CDU/CSU-Fraktion, dass Philipp Jenninger Bundestagspräsident werden sollte. Der Abschied aus der unmittelbaren Regierungsverantwortung ist ihm nicht leichtgefallen. Aber sein Pflichtgefühl, seine Leidenschaft als Parlamentarier und eben das große Vertrauen über die eigene Fraktion hinaus ließen ihn dem Ruf folgen. Er konnte auch in diesem neuen Amt auf diesem Vertrauen aufbauen. Er wurde mit großer Mehrheit gewählt. Und das Vertrauen ist dank seiner überparteilichen Amtsführung weiter gewachsen. Bei seiner Wiederwahl 1987 erhielt er noch weit mehr Stimmen. Die Arbeit des Deutschen Bundestages lag ihm am Herzen. Er konnte an seine Zeit als Parlamentarischer Geschäftsführer anknüpfen. Philipp Jenninger wusste, wo er als Präsident gefragt war. Er brachte Sachkunde mit, Integrität und eben die Fähigkeit, zu vermitteln. Die Belange des Parlamentsbetriebs und die Belange der Mitarbeiter lagen bei ihm in guten Händen. In seiner Zeit wurden die Arbeitsbedingungen des Bundestages verbessert, die Effizienz der Parlamentsarbeit erhöht. Mitarbeiter der Bundestagsverwaltung erinnern sich daran noch heute. Bei den in seiner Amtszeit angestoßenen Reformen ging es um mehr Transparenz, darum, die Rolle des Souveräns, die Rechte des Gesetzgebers zu stärken, und auch darum, der "Vertrauenskrise" entgegenzuwirken. Mit diesem Wort hatte Philipp Jenninger schon damals den Zustand der Politik beschrieben. Er hatte von seinem Vorgänger den Vorsitz der Ad-hoc-Kommission "Parlamentsreform" übernommen. Der Bundestag verdankt ihm und dieser Kommission eine Reihe von Vorschlägen. Sie zielten auf die Rechte der Abgeordneten gegenüber der Regierung, auf eine stärkere Lebendigkeit der Parlamentsdebatten. Philipp Jenninger konnte als Präsident einige Veränderungen erreichen. Aber er hat viel mehr gewollt, als durchgesetzt werden konnte – eine Erfahrung, die seine Amtsnachfolger teilen. Als Bundestagspräsident wirkte Philipp Jenninger nach innen und auch nach außen. Sein Interesse ging über den eigentlichen Parlamentsbetrieb hinaus, auch über die Bundesrepublik, über Deutschland und Westeuropa. Er hat Türen zu anderen Parlamenten, auch jenseits des Eisernen Vorhangs, geöffnet. Er baute Parlamentskontakte nach Mittel- und Osteuropa auf. Die westliche Sicherheitsallianz stand allerdings für Philipp Jenninger nie infrage. Und er engagierte sich mit Nachdruck für die europäische Idee: Bis 1990 stand er als Präsident der Europäischen Bewegung Deutschland vor – und er blieb diesem bereits 1949 von Paul Löbe und Eugen Kogon gegründeten überparteilichen Zusammenschluss europapolitischer Interessengruppen als Ehrenpräsident immer eng verbunden. Sein Engagement für die Aussöhnung mit Israel war groß – Initiativen zum deutsch-israelischen Jugendaustausch sind auf ihn zurückgegangen. Das war damals alles andere als selbstverständlich. Er legte wichtige Fundamente. Er hatte sein Amtsverständnis als Parlamentspräsident in seiner Antrittsrede formuliert: "Der Erste in diesem Hause zu sein, bedeutet für mich nicht besondere Würde und Glanz, sondern vorbildliche Arbeit und Dienst für unser Volk." Demut – Verantwortungsgefühl – Pflichtbewusstsein: Im selben Geist hat er später sein Amt niedergelegt. Sein Rücktritt bleibt ein politisches Drama. Philipp Jenninger wollte in seiner Rede zum 50. Jahrestag der Pogrome an den deutschen Juden das Gedenken vom Ritual entkleiden. Er wollte über das Ende der Weimarer Republik aufklären, die politische Sogwirkung des Nationalsozialismus beschreiben, Machtmechanismen offenlegen. Philipp Jenninger war immer ein entschiedener Gegner totalitärer Herrschaft. In seinem katholischen Elternhaus war man in der Nazizeit standhaft geblieben und hatte, wie er das selbst ausdrückte, Nachteile in Kauf genommen, Verfolgung riskiert. Er hatte zwei Brüder im Krieg verloren. Das war ein Grund für sein demokratisches Engagement und eben die qualvolle Frage, wie es dazu kommen konnte – diese Frage, auf die man umso weniger Antwort findet, je mehr man sich darin vertieft. Damit ringt er in dieser Rede. Wenn man allein den Text liest, dann versteht man nicht, was sich an diesem 10. November 1988 im Bundestag ereignete. Ignatz Bubis hat Jenninger später – da war Bubis Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland – verteidigt. Und er hat Passagen der Rede selbst vorgetragen, unangekündigt, nur leicht verändert – ohne dass irgendjemand Anstoß nahm. Simon Wiesenthal, selbst Überlebender des Holocaust, der Jenninger als Freund der Juden und Freund Israels würdigte, sprach von einer großen politischen Tragödie. In der dem Anlass geschuldeten gedrückten Atmosphäre entwickelte sich ein Unglück, das hernach niemand wirklich mehr verstehen konnte. Das geschriebene Wort und die Wirkung des Gesprochenen fielen auseinander. Man kann in Bildaufzeichnungen selber sehen, dass sich für ihn etwas Unerklärliches vollzogen hat. Philipp Jenninger wollte viel. Vielleicht wollte er für diesen Anlass im Ergebnis zu viel. Manche wollten ihn damals auch nicht verstehen. Der Zeithistoriker Andreas Wirsching fragt im Rückblick, ob Jenninger vielleicht insofern einen Tabubruch begangen habe, als er den Rahmen des an dem Gedenktag allgemeinen Akzeptablen sprengte, nicht dem gewohnten Muster folgte. "Ich habe versucht, die Wahrheit zu sagen. Das hat man mir übel genommen. Aber ich stehe zu jedem Wort, das ich gesagt habe", sagte er später einmal. Die Wucht der öffentlichen Erregung, die Maßlosigkeit, auch die verleumderische Verdrehung vieler Vorwürfe verletzten Philipp Jenninger tief und auch, dass so wenige seiner Freunde ihm zur Seite standen. Im politischen Bonn war Philipp Jenninger damals einsam. Das bleibt eine schmerzliche Wunde, gerade auch für uns, die wir ihm politisch und persönlich nahestanden. Und es bleibt ein politisches Lehrstück, wie unbarmherzig die politische Welt sein kann, auch damals, als von sozialen Netzwerken in den Medien noch gar keine Rede war. Ein politisches Leben, immer respektiert und integer, durch das Missverständnis dieser einen Stunde schwer verletzt. Philipp Jenninger zauderte in dieser Situation nicht, er bewies Haltung, wie immer. Er trat am Tag nach seiner Rede vom Amt des Bundestagspräsidenten zurück. Kurz darauf zollten ihm dafür die Abgeordneten aller Fraktionen Respekt und im Plenum Beifall. Dass Philipp Jenninger drei Jahre nach seinem Rücktritt als Botschafter in Wien in den diplomatischen Dienst unseres Landes wechselte, war keine Wiedergutmachung, konnte es auch nicht sein. Aber dass er schließlich in der Zeit des Pontifikats von Johannes Paul II. unser Land beim Heiligen Stuhl vertrat, das empfand der gläubige Katholik ausdrücklich als "Krönung" seines politischen Lebens. Eminenz, Sie werden gleich viel kundiger daran erinnern können als ich, und ich danke Ihnen im Namen des ganzen Hauses dafür. Meine Damen und Herren, Philipp Jenninger genoss unbestritten Autorität und Vertrauen – das seiner Wähler, seiner Kollegen und derjenigen, für die er arbeitete und mit denen er zusammenarbeitete. Das Vertrauen war verdient, Vertrauen, das auch heute Politikern oft verwehrt bleibt. So gedenken wir heute seiner – seiner integren Persönlichkeit. Wir erinnern daran, dass er sich stets leiten ließ von seiner Überzeugung, seinem Verantwortungsbewusstsein und seinem katholischen Glauben. Wir würdigen seine Fairness, seine Haltung, seine Gradlinigkeit. Wir würdigen Philipp Jenningers politisches Wirken, und wir würdigen seine bleibenden Verdienste um unser Land. Der Deutsche Bundestag wird seinem verstorbenen Präsidenten Philipp Jenninger ein ehrendes Andenken bewahren."
    Ansprache von Seiner Eminenz Walter Kardinal Kasper beim Staatsakt für Bundestagspräsident a.D. Dr. Philipp Jenninger am 18. Januar 2018 in Berlin:
    "Herr Bundespräsident! Herr Bundestagspräsident! Meine Damen und Herren Präsidenten! Frau Bundeskanzlerin! Meine Damen und Herren! Verehrte, liebe Frau Jenninger! Der Tod von Philipp Jenninger hat viele Menschen berührt. In erster Linie möchte ich Ihnen, verehrte Frau Jenninger, und Ihrer Familie mein tiefempfundenes Mitgefühl aussprechen. Der Tod von Philipp Jenninger hat auch viele berührt, die ihn als einen Politiker mit Herzblut und mit Herz kannten. Auch mich hat dieser Tod betroffen gemacht. Wir gehören fast aufs Jahr genau derselben Generation an, einer Generation, die während des Zweiten Weltkrieges aufgewachsen ist, die alt genug ist, um noch Erinnerungen zu haben an Krieg, Bombennächte, Vertreibung, den Verlust nächster Angehöriger. Zwei ältere Brüder von Philipp Jenninger sind im Krieg geblieben. Wir waren zugleich jung genug, um nicht zum Dienst mit der Waffe herangezogen zu werden oder in die Verbrechen des damaligen Regimes persönlich einbezogen zu sein. Philipp Jenninger, am 10. Juni 1932 geboren, ist aufgewachsen in einer Familie, die fest im christlichen Glauben verwurzelt ist. Das bedeutete für ihn nicht Enge, sondern sein Zuhause, Kompass, Orientierung im Leben. Er ist groß geworden im ostwürttembergischen Ellwanger Raum, einer Stadt europäischer Geschichte, die bis auf Karl den Großen zurückgeht, die im Dreißigjährigen Krieg, an dessen Ende wir in diesem Jahr erinnern, schwer gelitten hat. Diese europäische und deutsche Geschichte hat ihn schon früh geprägt. Nach dem Krieg haben wir uns als Gymnasiasten in der damaligen bündischen kirchlichen Jugendbewegung kennengelernt. Sie ist nach dem Zusammenbruch der alten bürgerlichen Ordnung Europas im Ersten Weltkrieg – dieses Jahr vor genau 100 Jahren – zwischen den beiden Weltkriegen als Aufbruch zu einem neuen, natürlichen, naturverbundenen Lebensstil entstanden. Im Dritten Reich verboten, ist sie nach 1945 zu neuem Leben erstanden. Dort haben wir Gemeinschaft erfahren und früh gelernt, Verantwortung für die Gemeinschaft zu übernehmen. Viele Männer und Frauen, welche den geistigen und moralischen Neuanfang nach 1945 gestaltet haben, gingen aus dieser und aus ökumenisch verwandten Bewegungen hervor. Philipp Jenninger war der letzte Überlebende des Ellwanger Kreises, in dem sich damals führende, heute den meisten kaum mehr dem Namen nach bekannte Politiker über die Grundlagen einer neuen staatlichen Ordnung Gedanken machten und das Grundgesetz von 1949 mit vorbereiteten. In ihnen begegnete sich menschlich verkörperte und in den zwölf Jahren zuvor schmerzlich durchlittene Tradition. Navid Kermani hat an dieser Stelle vor einiger Zeit daran erinnert, dass das Grundgesetz nicht das Ergebnis von Umfragen oder Stimmungen von damals war. Die Menschen hatten andere Sorgen, um den schwierigen Alltag zu bewältigen. Das Grundgesetz haben wir Männern und Frauen zu verdanken, die nach dem moralischen und politischen Ruin aus tiefen Überzeugungen die Grundlagen für unsere Gesellschaft gelegt haben, auf denen wir bis heute aufbauen und auf die wir stolz sein dürfen. Philipp Jenninger ist einer der Letzten dieser Generation. Für uns Junge war der Aufbau der demokratischen Institutionen, zunächst in den Gemeinden, dann in den Ländern und schließlich im Bund, faszinierende Staats- und Sozialkunde live. Mit Spannung hatten wir am Radio die ersten Bundestagsdebatten verfolgt. Die im Grunde einzige neue, aber zukunftsträchtige politische Nachkriegsidee, die europäische Einigung, erweckte in uns Begeisterung. Der Nationalismus hatte unsägliches Unglück über Europa gebracht. Nun sollten aus Feinden Freunde werden und in Europa eine in dieser Art neue Friedensordnung entstehen. Ins Ausland reisen, damals mit dem Fahrrad, war ein neues Erlebnis, das heute für junge Menschen – Gott sei Dank – selbstverständlich ist. Es ging uns freilich auch das ganze Ausmaß des unfassbaren, grauenvollen Verbrechens der Shoah auf. Die Versöhnung mit dem Judentum prägte sich tief in uns ein. Sie hat die Politik, sie hat auch die Theologie verändert – hoffentlich für immer. Wir wären nicht jung gewesen, hätten wir nicht auch Sehnsüchte gehabt, und es wäre schlimm um uns bestellt gewesen, hätten wir nicht über die Realitäten hinaus geträumt. Nicht alle Blütenträume gingen auf – einige schon. Die ökumenische Öffnung der Kirchen hat uns befeuert, und im soeben zu Ende gegangenen Jahr hat sie Früchte getragen, wenngleich noch längst nicht alle aufgegangen sind. Philipp Jenninger ging nach dem Studium der Rechts- und Staatswissenschaften den Weg in die Politik. Von 1969 bis 1990 war er 21 Jahre im Bundestag, von 1984 bis 1988 dessen Präsident. Die späten 60er und beginnenden 70er Jahre bezeichnen das Ende der unmittelbaren Nachkriegszeit. Die Studentenbewegung leitete einen gesamtgesellschaftlichen, bis heute fortwirkenden Prozess ein. Im politischen wie im akademischen Raum war es die Zeit harter, leider auch gewalttätiger Auseinandersetzungen und manchmal auch problematischer Idole. Philipp Jenninger, der in der damaligen Bonner Republik viele Ämter innehatte, hat damals nicht rückwärts, sondern nach vorne geschaut. In diesen Jahren fielen wichtige Entscheidungen für die Einheit Deutschlands, an denen Philipp Jenninger weitsichtig, vorausschauend und mit langem Atem maßgebend beteiligt war. Der lange Atem und die Weitsicht haben sich 1989 für uns alle gelohnt. Erwin Teufel nannte Philipp Jenninger einen christlichen Demokraten aus innerster Überzeugung. Das Parlament war ihm Forum der Nation, in dem die wichtigsten Angelegenheiten der Nation erörtert werden. Er war Demokrat aus christlicher Grundüberzeugung. Für ihn war das Diktum von Ernst-Wolfgang Böckenförde, 1983 bis 1996 Richter am Bundesverfassungsgericht, maßgebend: "Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann." Die jüdisch-christliche und die humanistische Tradition gehören dazu. Freiheit ist ein Funke und ein Abbild des Absoluten, vom Schöpfer gegeben, sagten die Väter der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung. Der Staat kann und muss sie schützen, ihr Raum geben und sie fördern. Aber dass Menschen frei sind, dass sie und wie sie von ihrer Freiheit verantwortlich Gebrauch machen, kann er nicht machen. Philipp Jenninger war ein konservativer Idealist. Konservativ und Idealist: Das scheint ein Paradox zu sein. Doch man kann – nach einer biblischen Parabel – das anvertraute Erbe nicht bewahren, indem man es im Boden vergräbt, sondern nur, indem man damit wuchert und es fruchtbar macht. Nur wer weiß, woher er kommt, weiß, wo er steht und wohin er gehen soll. Nicht wer wankt und schwankt, wer vielmehr fest steht, kann aufbrechen und weitergehen. Philipp Jenninger war ein solcher zupackender Konservativer, fleißig, tüchtig, rechtschaffen, geradlinig, verlässlich, bodenständig, heimatverbunden und zugleich weltoffen und sehr wohl wissend, dass solcher Idealismus Tapferkeit verlangt: Tapferkeit, die bereit ist, um des Ideals willen Nachteile, Verletzungen und Wunden in Kauf zu nehmen. Er war ein leidenschaftlicher Demokrat. Demokratie lebt von Auseinandersetzungen, die um der Sache des Lebens, der Freiheit, der Gerechtigkeit willen gelegentlich leidenschaftlich sein müssen. Wenn das Ringen um Position aber dazu führt, Personen fertigzumachen, herabzusetzen und zu demütigen, dann wird die Grundvoraussetzung der Demokratie beschädigt, dass die Würde des Menschen unantastbar ist. Philipp Jenningers Fairness und Noblesse in noch so leidenschaftlicher Auseinandersetzung haben ihm über die Parteigrenzen hinweg Achtung und Ansehen verschafft. Enttäuschungen und Missverständnisse blieben ihm nicht erspart. Das gilt insbesondere für jene Rede, die er am 10. November 1988 zur Erinnerung an 50 Jahre Reichspogromnacht 1938 im Bundestag gehalten hat. Ich habe sie nochmals gelesen und sie nochmals im Internet abgehört. Rhetorisch war sie ungeschickt vorgetragen. Daraus konnten Missverständnisse entstehen. Aber inhaltlich war es eine große Rede. Dass sie politisch korrekt war, hat Ignatz Bubis, von 1992 bis 1999 Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland, gezeigt. Er hat Passagen aus der Rede in seine eigene Rede aufgenommen und dafür Beifall bekommen. Die Rede war eine Zumutung. Sie hatte den Mut, Lebenslügen zu zerstören. So etwas hört man ja nicht gerne. Sie ließ keinen Zweifel daran, dass es eine verbrecherische Clique war, welche 1933 die Macht in Deutschland übernahm. Aber sie fragte: Wie konnte es dazu kommen? Warum ließen sich so viele blenden und oft faszinieren? Warum gab es so viele Mitläufer, so viel Wegschauen und so wenig Widerstand? Das zu verstehen, heißt nicht im Geringsten, es zu entschuldigen, heißt aber, demütig und wachsam zu werden. Vor Befangenheit und Sich-gefangen-nehmen-Lassen von Stimmungen ist auch heute keiner gefeit. Philipp Jenninger hat mit dieser Rede seinen Zuhörern viel zugemutet, vielleicht auch sich selbst. Aber sollte Politik nicht auch den Mut haben, Zumutungen auszusprechen? Wir sollten vor allem junge Menschen nicht unterschätzen, nicht unterfordern. Wir sollten sie nicht überfordern, aber doch herausfordern, damit sie zeigen können, was in ihnen steckt, und das ist weit mehr, als wir oft denken. Nur durch Herausforderungen können sie wachsen. Philipp Jenninger hat für seine Zumutung bezahlt. Er hat nicht lange gefackelt, sondern sehr schnell Konsequenzen gezogen. Er wollte sein Amt nicht beschädigen. Das ist nicht einfach normal. Das ist nobel. Er sagte, er habe das mit dem Herrgott ausgemacht. Für manche mag das altväterlich klingen. Wer jedoch jemals solche Situationen durchgestanden hat, weiß, in welche Tiefe das geht, und wird jedem anderen, der solches ehrlich sagt, den Respekt nicht versagen. Enttäuschungen und Verletzungen bleiben, bei Philipp Jenninger jedoch keine Verbitterung. Auch das ist Größe. Er hat Neues begonnen, ist in den Auswärtigen Dienst gegangen, zuerst nach Wien, dann war er zwei Jahre als Botschafter beim Heiligen Stuhl in Rom. Er bezeichnete diese zwei Jahre als die Krönung seiner Laufbahn. Das war nicht naiv als Erfüllung eines Jugendtraums gemeint. Ich habe Ähnliches von manchen Botschaftern beim Heiligen Stuhl gehört, die zuvor rund um die Welt auf wichtigen Posten waren und die mir sagten: Das hier ist der interessanteste; hier werden die Grundfragen der Politik der Welt diskutiert. Rom ist eine Stadt, in der wie wohl in keiner anderen europäische Geschichte präsent ist und in der zugleich deutlich wird: Europa war in seiner ganzen Geschichte keine homogene Einheit, sondern immer ein Kreuzungspunkt der Kulturen und ist es heute wieder. Kreuzungspunkt der Kulturen, das ist die Größe Europas. Philipp Jenninger war angetan von der Ostpolitik von Johannes Paul II. Er kam aus Krakau. Krakau war bis 1918 Habsburg. Johannes Paul II. war ein polnischer Patriot, aber er war kein polnischer Nationalist. Er hatte die Vision eines respektvollen Zusammenlebens von Völkern und Kulturen – gerade in Wien – in Ost und West. Er war wie Philipp Jenninger ein Europäer. Der Ruhestand war der friedliche Ausklang eines Lebens, das mit 85 Jahren die Geschichte und die Geschicke fast eines Jahrhunderts – und was für ein Jahrhundert – umspannte. Man muss am Ende vieles lassen. Philipp Jenninger hat diese Gelassenheit gelernt, aber er hat niemand verlassen. Er blieb den Menschen und blieb der Heimat treu und hat sich weiter um sie und um das Geschehen in der Welt gekümmert. Im Kreis der Familie, zusammen mit seiner Frau hat er auch den letzten Weg bestanden. Tapfer, aufrecht und gläubig. Als Christ sage ich: Er möge ruhen in Frieden. Für alle aber sind sein Leben und sein Tod, eben um Zukunft zu haben, Grund, die Erinnerung an dieses dramatische, tragische und dann doch wieder zur Hoffnung berechtigende Jahrhundert wachzuhalten. Auch darum halten wir Philipp Jenninger in hochachtungsvoller, dankbarer und guter Erinnerung."

     

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  • Solches Vertrauen haben wir durch Christus zu Gott. | 2. Korinther 3, 4
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  • Wikipedia |
  • Heiligenlexikon |
  • kalenderblatt.de |
  • geboren.am |
  • Oppis World |
  • sagen.at |

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