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Menschen mit Behinderungen

Freitag, 5. Mai 2017 - 15:27

Internationaler Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung

Internationaler Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung

Europa | seit 1992

Wir haben noch viele Barrieren, vor allem die in unseren Köpfen, abzubauen. Menschen mit Behinderung müssen noch stärker als Teil der Vielfalt unserer Gesellschaft verstanden werden. Dazu braucht es einen Schulterschluss aller politischen und gesellschaftlichen Ebenen. In den letzten Jahren konnte vieles erreicht werden, einiges ist aber noch zu tun, um völlige Gleichstellung Wirklichkeit werden zu lassen. Verbände und Organisationen der Behindertenhilfe und –selbsthilfe laden an diesem Aktionstag bundesweit zu zahlreichen Aktionen ein um der Forderung nach Gleichstellung und selbstbestimmter Teilhabe der rund 10 Millionen Menschen mit Behinderungen in Deutschland nachdruck zu verleihen. Der Aktionstag wurde von der Initiative Disabled Peoples`International (DPI) initiiert. Die DPI ist ein internationales Netzwerk von Organisation und Gruppen von Menschen mit Behinderungen.

In den vergangenen Jahren wurde viel erreicht.

Zu den Erfolgen gehören das Benachteiligungsverbot im Grundgesetz im Jahr 1994, Verbesserungen im Rahmen des Sozialgesetzbuches IX. Buch ,Teilhabe und Rehabilitation behinderter Menschen‘ von 2001, ein Bundesgleichstellungsgesetz für Menschen mit Behinderungen 2002 und die UN-Behindertenrechtskonvention von 2006, die im März 2009 in Deutschland in Kraft trat. Außerdem zählen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz aus dem Jahr 2006, das novellierte Bundesgleichstellungsgesetz von 2016 und das Bundesteilhabegesetz, das im Dezember 2016 beschlossen wurde und die bisherige in der Sozialhilfe angesiedelte Eingliederungshilfe neu regeln soll, dazu. Trotz dieser Fülle gesetzlicher Regelungen und Änderungen leben viele Menschen mit Behinderungen in sehr eingeschränkten sozialen Verhältnissen, in heimähnlichen Strukturen oder müssen für ein Taschengeld in speziellen Werkstätten arbeiten. Selbstbestimmtes Leben und Wohnen steht noch immer unter dem Kostenvorbehalt von Ämtern und Sozialleistungssystemen. Viele Menschen mit Behinderungen und ihre Angehörigen müssen um Rechte und Leistungen und damit um das, was ihnen zusteht, kämpfen. Daran hat auch das Bundesteilhabegesetz aus dem Jahr 2016 bisher wenig geändert, da die meisten Betroffenen lediglich über geringes Einkommen und kaum über Vermögen verfügen.

Menschen mit Behinderung müssen auch weiterhin auf die Verwirklichung ihrer Rechte warten.

Mit der Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention hat sich die Bundesrepublik zwar bereits 2009 verpflichtet, geeignete Maßnahmen für eine inklusive Gesellschaft zu treffen und damit die Gleichstellung mit anderen Menschen sicherzustellen. Von diesem Ziel ist Deutschland nach Meinung vieler Betroffener aber insgesamt immer noch weit entfernt. Neben der politischen Ebene – Bund, Länder Gemeinden -, die in ihrem Gestaltungsbereich weitere Anstrengungen zur Verbesserung der Gleichstellung machen müssen, sind auch die ArbeitgeberInnen und AnbieterInnen von Waren und Dienstleistungen gefordert ihre gesellschaftspolitische Verantwortung stärker wahrzunehmen und zu erkennen, dass Menschen mit Behinderungen auch als Arbeitskräfte und Konsumentinnen und Konsumenten zum gemeinsamen Wohlstand beitragen

Chancen für Menschen mit Beeinträchtigung Gradmesser für Gesellschaft

Nach der UN-Behindertenrechtskonvention sollen behinderte Kinder und Jugendliche uneingeschränkten Zugang zum allgemeinen Bildungswesen haben und in Kindereinrichtungen und Schulen mit Nichtbehinderten gemeinsam lernen. Viele Kommunen schicken ihre Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf aber immer noch überwiegend in Sonderschulen. Die schulische Inklusion, also der gemeinsame Unterricht, wird derzeit durch den hohen Lehrermangel zusätzlich erschwert. Die Chancen, die Menschen mit Beeinträchtigungen vorfinden um selbstbestimmt zu wohnen, zu arbeiten, zu lernen und Freizeit zu verbringen, sind ein Gradmesser für die Gesellschaft. Im Alltag scheitert die Verwirklichung der Teilhabe aber oftmals an budgetären Hürden oder der Behäbigkeit der Politik. Auch behinderte Menschen haben ein selbstverständliches Recht, vollständig an allen Bereichen gesellschaftlichen Lebens teilhaben zu können und dabei gleiche Chancen zu genießen.

Barrierefreiheit

Unverzichtbar für die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung am gesellschaftlichen Leben ist die Barrierefreiheit. Menschen mit Behinderungen brauchen Barrierefreiheit im umfassenden Sinn. Aber gerade die Barrierefreiheit, also die Zugänglichkeit aller Lebensbereiche für Menschen mit Behinderung und Beeinträchtigungen, schreitet nur langsam voran. Defekte Aufzüge, Treppen vor Apotheken und Arztpraxen, fehlende Orientierungshilfen in Bürgerämtern, Banken oder Supermärkten, eingeschränkte Servicezeiten am Bahnhof für Einstiegshilfen, aber auch nicht barrierefreie Onlineportale, Fernsehsendungen und Hotlines oder der nicht vorhandene Behindertenparkplatz: all das sind Barrieren, die vielen Menschen eine gleichberechtigte Teilhabe erschweren. Von Barrierefreiheit  profitieren jedoch alle, nicht nur diejenigen, die dauerhaft darauf angewiesen sind. Schon ein verknackster Fuß, ein schweres Gepäckstück oder ein Kinderwagen lassen jeden Weg im Alltag schnell zum Hürdenlauf werden. Ziel ist es, die eigene Stadt für alle Einwohnerinnen und Einwohner gleichberechtigter und lebenswerter zu gestalten.

Wohnen ist ein Menschenrecht: Artikel 19 der UN-Behindertenrechtskonvention

Die eigenen vier Wände sind Grundvoraussetzung für ein gelungenes Leben. Sie bieten Privat- und Intimsphäre, Raum für persönliche Entfaltung. Sie sind Rückzugsmöglichkeit und Ausgangspunkt für Arbeit und Freizeit. Die UN-Behindertenrechts-Konvention spricht sehr genau über das Recht auf Selbstbestimmt Leben und Inklusion in die Gemeinschaft. Der Artikel 19 fordert die gleichen Rechte für Menschen mit Beeinträchtigungen. Menschen mit Behinderungen müssen die für sie passende Wohnform und die für sie notwendigen Unterstützungsleistungen wählen können.

Aktionstag

Die Lage vieler Menschen mit Behinderungen ist nach wie vor prekär. Vielerorts mangelt es an geeigneten Arbeitsplätzen und an barrierefreiem Wohnraum. Anstelle von Inklusion sind Sondersysteme prägend: Sonderschulen, Heime, Werkstätten. Gute Fortschritte gibt es in der baulichen Barrierefreiheit. Andere Barrieren und bürokratische Hürden bestehen jedoch weiter. Arbeitsmarkt und höhere Bildung stellen für Betroffene große Herausforderungen dar. Insofern hat der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen weiter seine Berechtigung. An dem heutigen Aktionstag machen daher Menschen mit Behinderungen durch Aktionen, Demonstrationen und Diskussionen auf ihr Recht auf vollständige Chancengleichheit und gleichberechtigte Teilhabe in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens aufmerksam.

Weitere Informationen:

www.rainerwermelt.de/stichwort/behinderung
www.dpi.org
www.isl-ev.de
www.tag-der-inklusion.de
www.aktion-mensch.de


Referenzen

Aktuell:

Auch von Rainer Wermelt

Homepage: www.rainerwermelt.de
Kontakt: www.gaupel34.de
Allgemeine Rundschau - Nachrichten, Hintergründe und Meinunen zu den Themen der Zeit: www.allgemeine-rundschau.de
Blickpunkt Coesfeld - Stadtmagazin für Coesfeld: www.blickpunkt-coesfeld.de
Der neue Friedensreiter - politischer Autorenblog: www.friedensreiter.net
Flüchtlings-Info-Coesfeld: www.fi-coesfeld.de
Weihnachtsmarkt Coesfeld: www.weihnachtsmarkt-coesfeld.de
Freifunk Coesfeld: www.freifunk-coesfeld.de
Borderline Selbsthilfegruppe Münsterland: www.borderline-coesfeld.de
EX-IN - Einbeziehung Erfahrener in die Psychiatrie: www.ex-in.net
Contributions To The European Heritage: www.european-heritage.org
Mopszüchterverein:  www.vrz-dhs-mops.de

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