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Welt-Nichtrauchertag | World No Tobacco Day

Welt-Nichtrauchertag | World No Tobacco Day

international | ausgerufen durch die WHO | seit 1987
Nikotin hat ein ähnlich starkes Suchtpotenzial wie Heroin. Nicht jede/r, die/der möchte, schafft es von allein, vom Nikotin loszukommen. Zum Welt-Nichtrauchertag ruft das "Aktionsbündnis Nichtrauchen" dazu auf, konsequente Nichtraucherschutzgesetze in ganz Deutschland einzuführen, Kinder und Jugendliche vor dem Passivrauchen zu schützen, Tabakwerbung zu verbieten und die Einflussnahme der Tabakindustrie auf Politik, Medien, Sport zu unterbinden.

Der Tabakkonsum ist in Deutschland das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko.

Alle Formen – Rauchen, Schnupfen, Kauen – führen langfristig zu gesundheitlichen Problemen: Es gibt keinen unschädlichen Tabakkonsum. Er vermindert die Lebenserwartung der Betroffenen durchschnittlich um etwa zehn Jahre. Jährlich sind hunderttausende von Todesfälle auf das Rauchen zurückzuführen.
Trotz der schwerwiegenden gesundheitlichen Auswirkungen gilt Tabakabhängigkeit in weiten Kreisen der Bevölkerung – aber auch unter Fachleuten – zu Unrecht als ein Lebensstilproblem und nicht als behandelbare Suchterkrankung: Auch heute noch müssen aufhörwillige Raucher die wirksamen Behandlungsangebote zu großen Teilen privat finanzieren. Die Konsequenz: Weniger als 15 Prozent der Betroffenen nehmen professionelle Hilfsangebote in Anspruch. Doch gerade für Raucher, die trotz ernsthafter Rauchstoppversuche aus eigener Kraft keine Abstinenz erreichen, ist eine therapeutische Unterstützung indiziert. Hier ist dringend politisches und gesellschaftliches Umdenken gefragt.

Rauchen in Deutschland - Zahlen, Daten, Fakten

Nach aktuellen Daten (Stand 2015) rauchen in Deutschland etwa 13,7 Millionen Frauen und Männer. Hoffnung macht, dass der Tabakkonsum bei Kindern und Jugendlichen unpopulärer ist als früher. Heute rauchen nur noch zehn Prozent der 12- bis 17-Jährigen; 2001 waren es noch 28 Prozent. Der Tabakkonsum ist hierzulande das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko. In Deutschland raucht ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung (30,1 Prozent). Das entspricht etwa 24 Millionen Menschen. Mit verheerenden Folgen: Zigarettenrauchen führt hierzulande jährlich zu mehr Todesfällen als Aids, Alkohol, illegale Drogen, Verkehrsunfälle, Morde und Selbstmorde zusammen. Jedes Jahr sterben etwa 110.000 Menschen vorzeitig an den Folgen des aktiven Rauchens sowie mindestens 3.300 Menschen an den Folgen des Passivrauchens.

Immer mehr Frauen sterben an den Folgen des Rauchens

Im Jahr 2013 starben in Deutschland insgesamt 46 332 Personen an Krebserkrankungen, die in Zusammenhang mit dem Konsum von Tabakprodukten gebracht werden können. Neben Lungen- und Bronchialkrebs zählen auch Kehlkopf- und Luftröhrenkrebs zu den Folgeerkrankungen des Rauchens. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) anlässlich des Weltnichtrauchertages am 31. Mai weiter mitteilt, ist die Zahl der an den Folgen des Rauchens verstorbenen Frauen von 11 870 im Jahr 2005 auf 15 370 im Jahr 2013 angestiegen.
Allein die bösartige Neubildung der Bronchien und der Lunge verursachte 15 129 Sterbefälle bei Frauen und ist damit deren siebthäufigste Todesursache. Sollte sich die Entwicklung fortsetzen, wird diese Diagnose bei Frauen bald häufiger auftreten als Brustkrebs, der im Jahr 2013 noch die fünfthäufigste Todesursache darstellte.
Dieser Trend schlägt sich auch in der altersstandardisierten Sterberate bei den mit dem Rauchen in Verbindung gebrachten Krebserkrankungen nieder. Dabei wird der Einfluss der unterschiedlichen Bevölkerungsstrukturen in den jeweiligen Jahren berücksichtigt: Waren im Jahr 2005 insgesamt 25,7 Frauen je 100 000 Einwohner daran gestorben, ist die Zahl auf 31,0 Frauen je 100 000 Einwohner im Jahr 2013 gestiegen. Zwar war diese Zahl bei den Männern nach wie vor höher (50,1 Sterbefälle je 100 000 Einwohner im Jahr 2013), jedoch gab es hier eine positive Entwicklung, da im Jahr 2005 noch 57,3 Männer je 100 000 Einwohner an diesen Krebserkrankungen verstorben waren.
Bei der Betrachtung der Sterbefälle im Zusammenhang mit dem Rauchen muss davon ausgegangen werden, dass bei einer Vielzahl von Todesfällen insbesondere durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie durch die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) der Konsum von Tabak mit zum Tode beigetragen haben kann.
Zu den Nichtrauchern zählten im Jahr 2013 nach den Ergebnissen des Mikrozensus gut drei Viertel (76 %) der Bevölkerung über 15 Jahren. Von allen Personen dieses Alters, die Angaben zu ihren Rauchgewohnheiten machten, haben 57 % noch nie geraucht, 19 % waren ehemalige Raucher. Als aktive Raucherinnen und Raucher bezeichneten sich 24 %.
Der Anteil der Nichtraucher ist in den jüngeren Altersjahrgängen am niedrigsten. Bei den 30- bis 34-jährigen Männern waren 58 % Nichtraucher, Frauen hatten in der Altersgruppe von 25 bis 29 Jahren mit 69 % den niedrigsten Nichtraucheranteil. Mit zunehmendem Alter steigen diese Anteile bis auf 95 % bei den 75-jährigen und älteren Befragten beiderlei Geschlechts.
Insgesamt sind 71 % der Männer und 80 % der Frauen Nichtraucher. 47 % der Männer und 65 % der Frauen haben noch nie geraucht. Der Anteil der ehemaligen Raucher, das heißt die Ausstiegsquote, ist bei Männern mit 24 % höher als bei Frauen mit 15 %.
Der Nichtraucheranteil ist im Jahr 2013 im Vergleich zur Befragung im Jahr 2005 vor allem in den jüngeren Altersgruppen gestiegen, und zwar um jeweils 10 Prozentpunkte. Bei den 15- bis 19-jährigen Männern erhöhte er sich bis 2013 auf 84 %, bei den gleichaltrigen Frauen auf 89 %. In der Altersgruppe der 20- bis 24-Jährigen stieg der Nichtraucheranteil bei Männern auf 65 % und bei Frauen auf 74 %.
Der Verbrauch von in Deutschland versteuerten Tabakwaren hat sich in den letzten Jahren je nach Tabakart unterschiedlich entwickelt. So sank der tägliche Konsum von Zigaretten von 263 Millionen Stück im Jahr 2005 auf 218 Millionen Stück im Jahr 2014. Im gleichen Zeitraum nahm der tägliche Konsum von Feinschnitt von 91 auf 70 Tonnen ab. Der Konsum von Pfeifentabak stieg dagegen von 2 auf 4 Tonnen an. Der Verbrauch von Zigarren und Zigarillos lag 2014 nach zwischenzeitlich deutlich höherem Verbrauch etwa wieder auf dem Niveau von 2005 bei 11 Millionen Stück pro Tag.
Datenbasis ist die Zahl der versteuerten Tabakwaren im jeweiligen Kalenderjahr. Der tatsächliche Verbrauch insbesondere bei Zigaretten liegt noch höher, da in den Angaben der amtlichen Statistik in Deutschland unversteuerte Tabakwaren nicht enthalten sind.

Die Angst vor dem Aufhören ist unbegründet

Viele stark nikotinabhängige RaucherInnen wollen aufhören, scheitern aber an der Angst, dass das Rauchverlangen auch danach unerträglich bleibt. Die meisten können sich nicht vorstellen, dass es ihnen danach besser geht, selbst wenn sie durchs Rauchen richtig krank geworden sind. Eine aktuelle Studie mit TeilnehmerInnen der dreiwöchigen stationären Rauchertherapie, die von der MedUni Wien wissenschaftlich begleitet wird, zeigt, dass die Angst vor dem Aufhören unbegründet ist. Eine große Barriere ist die Angst, dass die Entzugserscheinungen unerträglich sein werden. Ganz wichtig ist dabei aber, dass die Betroffenen für drei Wochen aus ihrem normalen Alltagstrott rauskommen. Das hilft sehr beim Aufhören. Jenen, die nachhaltig mit dem Rauchen aufgehört haben, geht es langfristig viel besser. Tabak-Abstinenz führt zu einer deutlichen gesundheitlichen Verbesserung und zu mehr Lebenszufriedenheit. Zugleich ist das Rauchverlangen bei den meisten Entwöhnten schon nach einem halben Jahr überhaupt kein Thema mehr. Die Angst vor dem Aufhören ist unbegründet.

Fünf Schritte zur Eindämmung des Zigarettenkonsums

Mit fünf Schritten ließe sich der Zigarettenkonsum relativ einfach eindämmen. Das betonen Experten der MedUni Wien anlässlich des internationalen Welt-Nichtrauchertags am 31. Mai 2016. Ihre Forderungen und Vorschläge reichen von der Preisanhebung für Zigaretten über die stärkere Bekämpfung des Schmuggels bis hin zum Ausbau der Therapieangebote.
„Preissteigerungen von nur einem Prozent pro Zigarettenpackung über die Inflationsrate führen zu einem Rückgang des Zigarettenkonsums von 0,5 Prozent. Das ist die wirksamste Methode, den Konsum flächendeckend und dauerhaft zu senken. Das lässt sich anhand Studien an der MedUni Wien wissenschaftlich evident belegen“, erklärt Michael Kunze vom Institut für Sozialmedizin im Zentrum für Public Health der MedUni Wien. Besonders für Jugendliche würde ein Anheben des Preises abschreckend wirken, überhaupt mit dem Rauchen zu beginnen
Zudem wird gefordert: Eine stärkere Bekämpfung des Zigarettenschmuggels. Kunze: „Preissteigerungen machen den illegalen Handel attraktiver. Dieser Tatsache muss man sich annehmen und entschieden entgegenwirken.“ Ein drohender Anstieg des Schmuggels dürfe nicht die dringend geforderte, aktive und strengere Preispolitik lähmen. Weitere Schritte zu einer Eindämmung des Zigarettenkonsums: Ausbau der Therapieangebote, rasche und strenge Umsetzung der Rauchbeschränkungen in Gaststätten und Betrieben und die Freigabe von weitaus weniger gefährlichen Alternativprodukten als Nikotinersatztherapie – wie etwa in Skandinavien üblich – und analog zum „Methadon-Programm“ für Heroinabhängige.

Forderung nach besseren Therapieangeboten

Dass das Aufhören schnell positive Ergebnisse zeigt, ist auch klinisch belegbar: „Schon wenige Tage nach der letzten Zigarette sinkt das Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung rapide. Rauchen ist ja praktisch eine Kohlenmonoxid-Vergiftung. Wer aufhört, stoppt diese Vergiftung“, so Kunze. Das Krebsrisiko bleibt allerdings weiterhin noch jahrelang erhöht. Rund 90 Prozent aller Todesfälle bei Lungenkrebs in Europa werden durch das Rauchen verursacht, dasselbe gilt für 75 Prozent der Todesfälle im Rahmen von chronischer Bronchitis.
Vor allem die „hochgradig abhängigen“ Menschen – also solche, die auch nachts noch unmittelbar vor dem Zähneputzen, vor dem Frühstück oder auch auf der Flugzeug-Toilette den Drang verspüren, zu rauchen – benötigen Unterstützung beim Aufhören.
„Umfassende, strukturierte Therapieangebote sind leider nur begrenzt verfügbar“, betont Kunze. „Dabei sollte ausstiegswilligen Rauchern und Raucherinnen schnelle und professionelle Hilfe ortsnah angeboten werden. Die Förderung von Einrichtungen, die sich speziell mit diesem Thema beschäftigen, muss verstärkt werden.“ Die MedUni Wien selbst hat in Kooperation mit den Krankenkassen das 5-Wochen-Programm der ambulanten Raucherberatung entwickelt. Die Betreuung besteht aus einer Kombination von psychologischen und, wenn nötig, medikamentösen Verfahren.

Rauchprävention verbessern

Aufklärung über die Gefahren des Tabakkonsums ist wichtig, sie ist aber nur eine von mehreren Komponenten der Tabakprävention. Tabakwerbeverbote und Tabaksteuererhöhungen sind nachweislich die wirksamsten Mittel, um insbesondere junge Menschen davon abzuhalten, mit dem Rauchen zu beginnen.
Allein im Jahr 2012 hat die Tabakindustrie 221 Mio. Euro für Tabakwerbung ausgegeben. Um die Einnahmeverluste durch die hohe Erkrankungs- und Sterberate von Rauchern auszugleichen, ist für die Tabakhersteller die Gewinnung von neuen Kunden    überlebensnotwendig.
Diese müssen frühzeitig – am besten im Jugendalter – rekrutiert und zu lebenslangen treuen Kunden herangebildet werden. Die Werbung spielt dabei für die Tabackindustrie eine herausragende Rolle.

Rauchen kennt nur einen Gewinner: die Tabakindustrie.

Rauchen ist kein Symbol für Freiheit und Genuss, sondern macht abhängig und krank und obwohl diese gesundheitlichen Folgen hinlänglich bekannt sind, fällt es unseren politischen Entscheidungsträgern nach wie vor schwer, einenumfassenden Schutz vor dem Passivrauchen bundesweit gesetzlich zu verankern. Besonderen Handlungsbedarf sehen Gesundheitsorganisationen bei Filmen und Fernsehsendungen. Denn gerade in deutschen Filmproduktionen wird viel häufiger geraucht als in ausländischen Produktionen. Dies zeigt eine aktuelle Studie des Kieler Instituts für Therapie- und Gesundheitsforschung (IFT-Nord), die auf der Pressekonferenz in Berlin vorgestellt wurde. Während in deutschen Filmen durchschnittlich 42 Rauchszenen vorkommen, sind es in US-amerikanischen Produktionen nur 20 Szenen, in denen die Akteure rauchen. Darüber hinaus sind die Altersfreigaben für Kinofilme in den USA in der Regel höher als in Deutschland. Aus diesen Gründen sehen deutsche Jugendliche wesentlich mehr Rauchszenen in Filmen als amerikanische Gleichaltrige. Eine Hochrechnung ergab, dass Jugendliche hierzulande im Alter zwischen 11 und 14 Jahren allein durch die 250 erfolgreichsten Kinofilme der Jahre 2004 bis 2009 mehr als 1.000 Rauchszenen ausgesetzt waren. In der Studie hat sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen dem eigenen Tabakkonsum und der Zahl der gesehenen Tabakszenen in den untersuchten Filmen ergeben. Im Klartext heißt das: Wer mehr Rauchszenen in Filmen gesehen hat, hat auch eine höhere Wahrscheinlichkeit, selbst mit dem Rauchen zu beginnen. Rauchen muss - wie es in den USA bereits geschieht - bei der Bewertung der Altersfreig. Außerdem muss in deutschen Film- und Fernsehproduktionen endlich damit aufgehört werden, das Rauchen als den Normalzustand darzustellen.

Tabaksteuern gegen Tabakkonsum

Trotz zahlreicher Initiativen und Aufklärungsarbeit in den vergangenen Jahren ist Rauchen in Deutschland nach wie vor stark verbreitet – fast 30 Prozent der Erwachsenen hierzulande rauchen. Neben den gravierenden Folgen für die Gesundheit verursachen Rauchen und Passivrauchen zudem enorme Kosten für das Gesundheitswesen. Hohe Tabaksteuern sind ein wirksames Mittel, den Tabakkonsum einzudämmen. Anlässlich des Welt-Nichtrauchertages forderte die Deutsche Krebshilfe daher gemeinsam mit dem Aktionsbündnis
Nichtrauchen e.V. eine deutliche Erhöhung der Tabaksteuern. Rauchen und Passivrauchen verursachen Krebs. Obwohl die gesundheitlichen Folgen bekannt und wissenschaftlich belegt sind, werden nach wie vor zu wenig politische Maßnahmen ergriffen, um eines der drängendsten Gesundheitsprobleme unseres Landes in den Griff zu bekommen. Ein wirksames Präventionsinstrument sind Tabaksteuern. Diese müssen aber deutlich spürbar sein. Vor dem Hintergrund der vielfältigen negativen Folgen des Rauchens und der enormen Kosten für die Sozialversicherungen ist eine moderate, stufenweise Anhebung der Steuersätze aus ökonomischer wie aus gesundheitspolitischer Perspektive nicht angemessen. Vielmehr ist es erforderlich, die Tabaksteuern deutlich zu erhöhen, mindestens um 30 Prozent. Wir hatten in Deutschland bereits schon einmal - nämlich zwischen 2002 und 2005 - drastische Tabaksteuererhöhungen, deren unmittelbare Folgen in einem Rückgang des Gesamtkonsums von Zigaretten bestand. Im Zeitraum nach den Erhöhungen fiel auch der Anteil der rauchenden Jugendlichen von 28 Prozent im Jahr 2001 auf 11,8 Prozent bis zum Jahr 2011.

Rauchfrei im Betrieb:

Blauer Dunst am Arbeitsplatz belastet die Nichtraucher/innen. Er bremst aber auch den Elan von Raucher/innen, die aufhören möchten.

Weitere Informationen:

www.abnr.de | www.weltnichtrauchertag.de | www.tabakkontrolle.de | https://de.wikipedia.org/wiki/Weltnichtrauchertag | http://www.rauchfrei-info.de/informieren/weltnichtrauchertag/ | http://www.kleiner-kalender.de/rubrik/00179-weltnichtrauchertag.html

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