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Altionstag: Weltkindertag | 20. November

Montag, 20. November 2017 - 20:30

Weltkindertag

Weltkindertag | Tag der Rechte des Kindes

international | UNICEF (in Deutschland 20. September) | Zur Erinnerung an den Tag, an dem die UN die Rechte des Kindes beschlossen hatte. (20.11.1959)

Viele Jahrzehnte ist es nun her, dass das Kinderhilfswerk UNICEF aus den Trümmern des Zweiten Weltkriegs entstanden ist. Herbert Hoover, ehemaliger Präsident der USA, zeigte sich damals erschüttert über das Elend in Europa nach dem Krieg: "Von der russischen Grenze bis zum Ärmelkanal gibt es heute 20 Millionen Kinder, die nicht nur schwer unterernährt sind, sondern zunehmend an Tuberkulose, Rachitis und Blutarmut leiden. Wenn Europa eine Zukunft haben soll, dann muss etwas für diese Kinder getan werden." Daraufhin gründeten die Vereinten Nationen am 11. Dezember 1946 das Kinderhilfswerk UNICEF mit der Aufgabe, den kranken und hungernden Kindern im verwüsteten Europa so lange zu helfen, bis die schwerste Zeit überwunden war. Nach vielen Jahren Erfahrung in Entwicklungszusammenarbeit und Nothilfe setzt sich UNICEF auch heute noch dafür ein, dass Kinder überleben und eine wohlbehaltene Kindheit erhalten. Zu den zentralen Aufgaben gehören Gesundheit, Ernährung, Bildung, Wasser und Hygiene sowie der Schutz der Kinder vor Missbrauch, Ausbeutung, Gewalt und Konflikten.

Die Erfahrungen der Kindheit prägen unser ganzes Leben.

Jedes Kind ist mit dem gleichen und unabdingbaren Recht auf Gesundheit, Bildung und einer geschützten Kindheit zur Welt gekommen. Dies sind die Grundlagen einer sicheren Zukunft und Erfolg im Erwachsenenalter. Die UN-Kinderrechtskonvention aus dem Jahr 1989 formuliert weltweit gültige Grundwerte im Umgang mit Kindern über alle sozialen, kulturellen, ethnischen oder religiösen Unterschiede hinweg. Die Kinderrechtskonvention ist der am meisten ratifizierte Menschenrechtsvertrag der Welt und setzt erstmals grundlegende Standards für eine gesunde, geschützte und angemessene Kindheit für jedes Kind. Obwohl seit der Annahme der Konvention viele Fortschritte für das Wohlergehen der Kinder erzielt wurden, werden jeden Tag die Rechte von Millionen von Kindern immer noch missachtet. Weltweit besteht ein hoher Bedarf: Hunderttausende Kinder und Jugendliche sind in unserem Land von Armut betroffen. Währenddessen diskutieren die politischen Entscheidungsträger seit Jahren immer wieder über Kürzungen finanzieller Hilfen. Klar ist: Diese würden die Kinder und Jugendlichen nicht nur jetzt direkt treffen, sondern hätten langfristig negative Auswirkungen für das Leben der Kleinsten. Gerade deshalb ist es besonders wichtig, Kinder, die benachteiligt werden, zu unterstützen.

Notwendigkeit grundlegender Rechte

Ein Säugling ohne nachgeburtliche Betreuung wird die ersten Tage schwer überleben. Ein Kind ohne Schutzimpfungen oder sauberes Trinkwasser stirbt wahrscheinlich vor seinem fünften Geburtstag oder lebt sein Leben lang mit gesundheitlichen Einschränkungen. Ein Kind ohne ausreichende Ernährung wird nie sein volles körperliches und geistiges Potenzial erreichen, wodurch Lernen und zukünftige Arbeitsperspektiven eingeschränkt sind. Ein Kind ohne Ausbildung wird es kaum schaffen die notwendigen Fähigkeiten für eine erfolgreiche Karriere zu erhalten, oder die eigenen Kinder eines Tages in die Schule zu schicken. Ein Kind ohne Schutz vor Konflikten, Gewalt, Missbrauch, Ausbeutung, Kinderarbeit oder Kinderheirat wird mit großer Wahrscheinlichkeit sein Leben lang verängstigt sein, was schwere Konsequenzen zur Folge hat. Wir sehen solche Fälle überall – Verlust und Missbrauch grundlegender Rechte von Kindern werden meist von einer Generation zur nächsten weitergegeben. Dies hat zur Folge, dass ganze Bevölkerungsgruppen sozial benachteiligt sind. Jedes Kind muss daher das Recht haben gesund, beschützt und stark aufzuwachsen, in die Schule zu gehen und eine faire Chance im Leben zu haben.

Die Situation der Kinder weltweit

Obwohl in den vergangenen Jahrzehnten ein deutlicher Fortschritt für Kinder erzielt wurde, sterben immer noch beinahe sechs Millionen Kinder jährlich an Ursachen, die eigentlich vermeidbar wären. Weltweit gibt es jedoch Millionen von Kindern, die diese Rechte nicht wahrnehmen können. Somit wird ihnen alles vorenthalten, was sie für eine gesunde und bestmögliche Entwicklung brauchen. Kinder aus ärmeren Haushalten sterben doppelt so oft vor ihrem fünften Geburtstag als Kinder aus reicheren Ländern. Beinahe 50 Millionen Kinder sind von ihrem Zuhause entwurzelt – 28 Millionen davon mussten aufgrund von Konflikten und Kriegen flüchten. Kinder in belagerten Gebieten wie in Syrien, dem Irak und dem Norden von Nigeria sind häufig Kinderrechtsverstößen ausgesetzt – oftmals sind ihre Schulen, Krankenhäuser und ihr Zuhause unter Beschuss. Weltweit leben 250 Millionen Kinder in Ländern, die von Konflikten betroffen sind. Fast 385 Millionen Kinder leben in extremer Armut und über 250 Millionen haben keine Möglichkeit in die Schule zu gehen und zu lernen. Fast 300 Millionen Kinder leben in Gebieten mit stark verunreinigter Luft – das ist nahezu jedes siebte Kind weltweit. Die Luftverschmutzung in diesen Gebieten ist sechsmal höher als internationale Richtlinien erlauben. Wenn die Trends der vergangenen 15 Jahre bis 2030 anhalten, werden bis dahin circa 167 Millionen Kinder in extremer Armut leben. Etwa 69 Millionen Kinder unter fünf Jahren werden zwischen 2016 und 2030 an vermeidbaren Krankheiten sterben – das sind 3.6 Millionen pro Jahr. Weitere 60 Millionen Kinder im Grundschulalter werden vermutlich nicht in die Schule gehen. In Zeiten wie diesen sind durch Konflikte, Krisen und vernichtende Armut Millionen Kinder - wie auch deren Zukunft und Rechte - einem großen Risiko ausgesetzt. Daher ist der Schutz der Kinderrechte dringender als je zuvor – und der Schlüssel, um stärkere und stabilere Gesellschaften aufzubauen. Kinderrechtsverstöße müssen beendet werden, indem vor allem den ärmsten der Kinder geholfen wird. Andernfalls zahlen wir als Gesellschaft den Preis eines langsameren Wachstums, größerer Ungleichheit und weniger Stabilität.

Armut verhindert Chancen

Kinderarmut steht in direktem Verhältnis zum Haushaltseinkommen der Familie. Besonders betroffen sind Haushalte mit mehr als drei Kindern, Ein-Eltern-Haushalte oder Haushalte von Migranten. Diese Kinder sind oft mit einer Vielzahl von Problemen konfrontiert. Sie erleben Armut als ein Anders-Sein, als ein Nicht-Genügen und als ein Ausgegrenzt-Sein. Die betroffenen Kinder werden ständig mit Grenzen konfrontiert, die ihnen nach und nach die Begrenztheit ihrer Handlungs- und Entscheidungsspielräume und ihres ‚besonderen‘ Status klar machen. Eine Kürzung von finanziellen Hilfen würde ihre Situation nicht ent-, sondern verschärfen. Steht einer Familie monatlich weniger Geld zur Verfügung, wirkt sich das vor allem auf die Zukunftschancen der Kinder negativ aus. Es entsteht eine Abwärtsspirale: Weniger Freizeitaktivitäten, keine Nachhilfe und somit schlechtere Ausbildungs- und Berufsmöglichkeiten. Langfristig bedeutet das eine viel kleinere Lebenswelt, soziale Ausgrenzung und emotionale Belastungen. Armut wird "vererbt".

Aufwachsen in Armut stoppen!

Nehmen wir den Weltkindertag zum Anlass, um das Ziel, Armut zu besiegen, wieder vor Augen zu haben. Ein erster Schritt in diese Richtung wäre die Einführung einer Kindergrundsicherung. Diese würde finanzielle Leistungen und Förderungen nicht nur bündeln, sondern direkt die Kinder in den Mittelpunkt stellen. Wichtige Bereiche – wie Gesundheit, Bildung oder soziale Absicherung – müssen endlich angesprochen werden. Nicht zuletzt braucht es verstärkte Aufmerksamkeit und Sensibilisierung für das Thema Kinderarmut. Wir müssen den Menschen klar machen, was Armut für Kinder und Jugendliche bedeutet. Dafür ist es nicht nur Voraussetzung, über die Kinder zu reden, sondern sie aktiv einzubinden und mitreden zu lassen. Nur wenn wir die Ursachen von Armut kennen und uns den Auswirkungen auf die Lebenswelten der Betroffenen bewusst sind, können wir sie konkret bekämpfen. Lassen wir nicht zu, dass das Mindeste noch weniger wird – vor allem nicht für unsere Kinder.

Kinder als Träger von Menschenrechten im Grundgesetz stärken

Das Deutsche Institut für Menschenrechte empfiehlt, Kinderrechte ausdrücklich im Grundgesetz zu verankern. Zentrale Inhalte der UN-Kinderrechtskonvention  sollten im Grundgesetz aufgenommen werden, erklärt Beate Rudolf,  Direktorin des Instituts, anlässlich des Internationalen Tags der  Kinderrechte am 20. November. "Kinder haben Rechte, und dieses Verständnis sollte auch die deutsche Verfassung klar zum Ausdruck bringen. Im Grundgesetz kommen Kinder lediglich als Objekte elterlicher Verantwortung vor. Dabei sind sie eigenständige Rechtssubjekte, wie auch der UN-Ausschuss für die Recht des Kindes immer wieder betont. Was es bedeutet, dass Kinder Träger eigener Rechte sind, wird oft  nicht verstanden. Behörden und Gerichte müssen die Menschenrechte des betroffenen Kindes zum zentralen Maßstab ihrer Entscheidung machen und die betroffenen Kinder angemessen anhören. Dennoch spielt die UN-Kinderrechtskonvention  trotz ihres rechtsverbindlichen Charakters in der Rechtspraxis keine  wesentliche Rolle. Deshalb ist es geboten, die wesentlichen Grundsätze  der UN-Kinderrechtskonvention  in das Grundgesetz aufzunehmen. Auf diese Weise würden die Kinderrechte  die im Grundgesetz enthaltenen Grundrechte präzisieren, damit sie auch  für Kinder ausreichend beachtet werden. Zentrale Inhalte einer Grundgesetzänderung müssen die eigene Rechtsträgerschaft von Kindern sein, insbesondere das Recht des Kindes auf Gehör in allen Angelegenheiten, die es betreffen. Außerdem sind der Maßstab des Kindeswohls, das Verbot der Diskriminierung aufgrund des (kindlichen) Alters, das Recht auf Entwicklung  und das Recht auf Schutz vor Gewalt im Grundgesetz zu verankern. Als  Orientierung für eine solche Grundgesetzänderung kann Artikel 24 der  Charta der Grundrechte der Europäischen Union dienen. Eine solche  Verfassungsänderung würde Kinder als Träger eigener Rechte ernst nehmen.  Dies würde dazu beitragen, die Rechtsprechung und Rechtswirklichkeit  für Kinder grundsätzlich zu verbessern."

Weitere Informationen

Deutsches Institut für Menschenrechte. Berlin.
Position  Nr. 7: "Kinderrechte ins Grundgesetz: Kinder als Träger von Menschenrechten stärken".
http://www.institut-fuer-menschenrechte.de/publikationen/show/kinderrech...


Referenzen

Aktuell:

Auch von Rainer Wermelt

Homepage: www.rainerwermelt.de
Kontakt: www.gaupel34.de
Allgemeine Rundschau - Nachrichten, Hintergründe und Meinunen zu den Themen der Zeit: www.allgemeine-rundschau.de
Blickpunkt Coesfeld - Stadtmagazin für Coesfeld: www.blickpunkt-coesfeld.de
Der neue Friedensreiter - politischer Autorenblog: www.friedensreiter.net
Flüchtlings-Info-Coesfeld: www.fi-coesfeld.de
Weihnachtsmarkt Coesfeld: www.weihnachtsmarkt-coesfeld.de
Freifunk Coesfeld: www.freifunk-coesfeld.de
Borderline Selbsthilfegruppe Münsterland: www.borderline-coesfeld.de
EX-IN - Einbeziehung Erfahrener in die Psychiatrie: www.ex-in.net
Contributions To The European Heritage: www.european-heritage.org
Mopszüchterverein:  www.vrz-dhs-mops.de

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