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Nachbarn

Die Nachbarschaften im Münsterland

Im Münsterland wird die "Nachbarschaft" noch gepflegt. Das ist gut. Wie die Nachbarschaft gelebt wird hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich gewandelt. Waren früher Nachbarschaften nötig für die wehrhafte Verteidigung gegenüber fremden oder marodierenden Herscharen war später die Nachbarschaft wichtig für die Einbringung der Ernten, sozusagen zur gegenseitigen Hilfe in der Landwirtschaft. Dies war früher sehr wichtig. Auch für die Ausrichtung von Hochzeiten war die Nachbarschaft wichtig. So kommen den "nächsten Nachbarn" immer noch besondere Aufgaben zu. Die Bedeutung der Nachbarschaft hat sich aber gewandelt.

Der "Erste" und die "direkten oder rechten" Nachbarn

Im Münsterland ist die Nachbarschaft nicht durch das bloße "in der Nähe" wohnen definiert. Bei uns gibt es zum Beispiel die "direkten" oder die "rechten" (im Sinne von "richtigen") Nachbarn. Von denen sind das bei uns z.B. drei Höfe. Einer dieser Höfe ist der "erste" Nachbar. In unserem Fall der "Ursprungshof", denn unser Grundstück war einst Kötterstelle eben dieses Hofes. Diese Tradition hatte bereits mein Vater fortgesetzt und auch ich lebe diese Tradition gerne weiter.

Nachbarschaft neu denken

Wie Eingangs beschrieben kommt der Nachbarschaft heute eine gewandelte Bedeutung zu. Ich bin sehr froh das die Nachbarschaft, ähnlich wie Schützenvereine,  nicht mehr zur Verteigdigung von Grund und Boden gebraucht werrden. Ebenso froh bin ich das durch den Fortschritt in der Landwirtschaft Nachbarn nicht mehr gebraucht werden. Landwirtschaftliches Gerät kann dies sehr viel besser als wir dazu jemals in der Lage wären. Was macht also heute eine Nachbarschaft aus. Die Rolle des nächsten Nachbarn kommt so also fast nur noch als "(Mit-)Organisator für die Hochzeiten zum tragen. Ich habe aber für meinen Teil beschlossen nicht zu heiraten. Das würde aber fast schon heißen das Nachbarschaft dann kaum noch gelebt würde.

Genau das Gegenteil ist der Fall. Ich halte Nachbarn im Allgemeinen, Nachbarschaft im Speziellen und die direkten Nachbarn im Besonderen nach wie vor für unverzichtbar in einer ländlich geprägten Umgebung. Nachbarn sind unentbehrlich wenn man irgendwo in Ruhe und Frieden wohnen will. Es ist nicht so einfach wie z.B. in einer Stadt durch Umzug Nachbarn "loszuwerden" mit denen nicht  auskommt. Die Höfe in unserer Umgebung haben teilweise eine Jahrhunderte alte Tradition, sind im Familienbesitz immer weitergegeben worden. Mancher hängt mit seinem Herzblut an dem Ort, ist für ihn Heimat. Da kommt ein "Umzug" oder die Aufgabe für viele nicht in Frage. Man wohnt in der Nähe, teilt mitunter Grundstücksgrenzen und vielfach ist man auch durch Familiäre Bande untereinander verbunden.  Die Frage stellt sich also nun was Nachbarschaft heute ausmacht.

Für mich ist klar: Man ist als Nachbarn immer noch aufeinander angewiesen. Nicht mehr zu Wehrzwecken, nicht mehr zur Hilfszwecken in den Landwirtschaft, nicht mehr unbedingt bei Heirat aber immer noch wenn es um das Wohnen in Ruhe und Frieden geht. Nachbarschaft heute muss geprägt sein von gegenseitigem Respekt und gegenseitiger Rücksichtnahme. Das wird zunehmend unterschiedlicher da auch heute Lebensentwürfe, Moralvorstellungen, Lebenseinstellungen, politische und religiöse Weltanschauungen auch auf dem Lande immer vielfältiger und unterschiedlicher werden. Zudem ist die "ländliche" Bevölkerung immer weniger selber auf dem Hof tätig. Viele stehen sehr oft im eigenen Berufsleben das heute außerhalb des eigenen Hofes stattfindet. Die Nachbarschaft in der heutigen Zeit muss all dieses "aushalten". Nachbarschaft nicht, wie vielleicht früher ein soziales Regulativ sein, frei nach dem Motto: "Was sollen denn die Nachbarn denken?". Nachbarschaft muss künftig mehr denn jeh die Unterschiedlichkeit des Einzelnen akzeptieren.

Der Beginn einer neuen Tradition

Dies kann aber nur gelingen wenn Nachbarschaft auch gelebt wird. Gelebt werden kann diese Nachbarschaft wenn man sich natürlich untereinander hilft. Gar keine Frage. Aber das man das macht ist auch selbstverständlich wenn man ohnehin im Gespräch ist. Das Gespräch ist der Anfang um Vertrauen aufzubauen und Vertrauen ist der Anfang von gegenseitigem Respekt und gegenseitiger Achtung. Beginnen wir eine neue Tradition: Sprechen wir miteinander. Wir wollen dies nicht nur beim üblichen Plausch am Gartenzaun tun sondern gerne auch zu Hause. Daher wollen wir unsere Nachbarn wenigstens ein mal im jahr zu uns einladen. Für uns der Beginn einer neuen Tradition.

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