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Ostwestfalen-Lipppe

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Geschichte

Paläontologie

  • Größter Raubsaurier in Deutschland - Der Erste seiner Art: Wiehenvenator albati
    Er gilt als das "Monster von Minden" und wurde im Oktober 1998 ausgegraben: der größte Raubsaurier, der bisher in Deutschland gefunden wurde. Jetzt konnten ihn Paläontologen eindeutig als erste Spezies einer bislang unbekannten Gattung klassifizieren. Oliver Rauhut von der Universität München sowie Tom Hübner und Klaus-Peter Lanser, ehemalige Mitarbeiter des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), haben den Saurier untersucht. Die Fachleute haben ihm den wissenschaftlichen Namen Wiehenvenator albati (Wiehengebirgsjäger) gegeben, benannt nach seinem Finder Friedrich Albat.
    Fossilien waren in Meeressedimente eingeschlossen
    Der Saurier lebte im mittleren Jura vor etwa 163 Millionen Jahren. Er ist der erste in Deutschland entdeckte Raubsaurier aus dieser Zeit und besitzt die größten Ausmaße: Das Tier war vermutlich acht bis zehn Meter lang, im Vergleich mit anderen Raubsauriern sehr kräftig gebaut und wog mehr als zwei Tonnen. Wahrscheinlich war er noch nicht vollständig ausgewachsen, vermuten die Wissenschaftler. Die bisher gefundenen Überreste von Wiehenvenator albati bilden zwar kein vollständiges Skelett, sind aber sehr gut erhalten und zeigen anatomische Details, die eindeutig beweisen, dass es sich um eine neue Gattung und eine neue Art handelt. Einige der gefundenen Zähne sind so groß wie Bananen und zum Rachen hin gekrümmt. Ähnlich wie Allosaurus oder der viel spätere Tyrannosaurus rex lief Wiehenvenator albati auf den Hinterbeinen und besaß nur kurze Vorderläufe. Die versteinerten Knochen und Zähne hatte der im Auftrag des LWL-Museums für Naturkunde untersuchende Geologe Friedrich Albat bei einer Routinebegehung in einem stillgelegten Steinbruch im Wiehengebirge in der Nähe von Minden entdeckt. Albat hatte im gesamten Weser-Wiehengebirge Geländeuntersuchungen durchgeführt, Fachleute des LWL haben daraufhin über mehrere Jahre hinweg an dieser Stelle gegraben. Die Funde wurden in der LWL-Werkstatt in Münster präpariert. Die Fossilien waren in Meeressedimente eingeschlossen, was die Forscher überraschte, weil es sich um die Überreste eines Landraubtiers handelte. Im mittleren Jura waren große Teile Mitteleuropas von Meer bedeckt. LWL-Dino-Experte Klaus-Peter Lanser: "Es war sofort klar, das ist ein sehr besonderer Fund. Daher haben wir diese Meldung damals nicht sofort an die Öffentlichkeit gegeben. Umso erfreulicher, dass wir nach fast genau einem Jahr in 30 Meter Entfernung Reste eines weiteren Raubsauriers fanden, der sich von dem ersten deutlich unterscheidet."
    Riesenechsen waren Insulaner
    Die Forscher gehen davon aus, dass Wiehenvenator albati auf Inseln im Meer lebte. "Offenbar gab es auf diesen Inseln eine große Bandbreite zum Teil sehr großer Raubsaurier", sagt Rauhut, "und zwar überwiegend aus der Gruppe der Megalosaurier, wie Funde aus Frankreich und England sowie der neue Raubsaurier aus Deutschland zeigen, der ebenfalls zu dieser Gruppe gehört." Die Megalosaurier waren die ersten Riesen-Raubdinosaurier der Erdgeschichte. Eine stammesgeschichtliche Analyse der evolutionären Verwandtschaftsverhältnisse von Wiehenvenator ergab, dass der Raubsaurier zu einer Großgruppe gehört, deren Artenreichtum im mittleren Jura geradezu explosionsartig zunahm. "Zu dieser Zeit entstanden praktisch alle wichtigen Raubsaurier-Gruppen, darunter auch die Tyrannosaurier, die erst 80 Millionen Jahre später wirklich gigantische Formen hervorbrachten, und auch die ersten direkten Vogelvorfahren", sagt Rauhut. Für dieses rasche Entstehen neuer Arten hatte vermutlich das Aussterben eines Großteils der altertümlicheren Raubsaurier am Ende des unteren Jura sozusagen den Weg freigemacht, möglicherweise aufgrund eines durch Vulkanausbrüche ausgelösten Klimawandels.
    Publikation:
    A new megalosaurid theropod dinosaur from the late Middle Jurassic (Callovian) of north-western Germany: Implications for theropod evolution and faunal turnover in the Jurassic. Oliver W.M. Rauhut, Tom Hübner, and Klaus-Peter Lanser Palaeontologia Electronica 2016

 

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