Sie sind hier

Eine Schande für Legden: Wie man bürgerschaftliches Engagement sabotiert

Montag, 23. Januar 2017 - 19:11

Wildbienenlehrpfad am Asbecker Mühlenbach | Eine Schande für Legden: Wie man bürgerschaftliches Engagement sabotiert

Der Wildbienenlehrpfad am Asbecker Mühlenbach hat in den letzten Wochen viel Aufsehen erregt und vielfach die Gemüter erhitzt. Was jetzt, mit dem neuen Ratsbeschluss des Legdener Gemeinderates auf der Strecke geblieben ist, ist das bürgerschaftliche Engagement.

Von der guten Idee zum Desaster für das Miteinander

Ende letzten Jahres hatte der Gemeindarat einem Antrag zugestimmt am Asbecker Mühlenbach einen Wildbienenlehrpfad einzurichten. Die Eheleute Kruse hatten für diese Idee monatelang geworben und viel Energie und Herzblut in dieses Projekt gesteckt. Torpediert wurden sie dabei von der Asbecker Bevölkerung und unter ihnen insbesondere die Bauern im Landwirtschaftlichen Ortsverband. Asbeck ist ein keines, ländliches Dorf im Münsterland. Kruses, die erst vor ein paar Jahren hier hergezogen sind hatten es als "totrokken Volk" von Anfang an schwer. Mit ihren Ansichten sind sie für viele zu progressiv und passen so gar nicht in das erzkonservative Dörfchen um Westmünsterland. Eine gute Idee entwickelte sich zum desaströsen Gegeneinader weil Bauern ein paar Bienennisthilfen als Bedrohung sehen.

Von Bauern und Bauernopfer

Nach dem Beschluß des Rates im letzten Jahr einen Wildbienenlehrpfad zu errichten, regte sich insbesondere bei den Bauern erneut Widerstand. Mit einem Antrag wollten sie nun dieses Projekt zu Fall bringen. In diesem Antrag griffen sie erneut, ohne Namen zu nennen, die Kruses an und unterstellten indirekt im Dorf nicht ausreichend verwurzelt zu sein. Das Gelingen eines solchen Projektes sei von den in Asbeck tätigen Vereinen und Verbänden abhängig. Das ist Unsinn. Wenn sich auch nur ein Einziger für den Natur- und Umweltschutz engagiert ist das begrüßens- und unterstützenswert. Und auch eine Einzelner kann durchaus erfolgreich Projekte durchführen. Daneben befürchteten sie, dass den Landwirten Schäden durch Nachteile bei der Nutzung ihrer Flächen drohte wenn sie nicht mehr wie gewohnt Gifte auf ihren Flächen ausbringen könnten. Eine Paradoxie in der Argumentation: So sind die Landwirte wesentlich von den Bienen abhängig. So zeigt sich so auch der Kern des Problems: Das sind die Kruses. So hat der Gemeinderat in der heutigen Sitzung auch grundsätzlich am Projekt Wildbienenlehrpfad festgehalten. Auch die CDU als politische Handlanger der Landwirte in diesen Fall hatte das Projekt an sich begrüßt. Dazu hat man nun Seitens der Verwaltung Gespräche geführt und den Imkerverein mit ins Boot geholt und Kruses kurzerhand rausgeschmissen. Das ist eine Schande: Wenn man auf diese Art und Weise die Initiatoren schasst, ist das nicht das allseits beschwore kitten von zerschlagenem Porzelan, das ist weiteres Öl im Feuer, viel Öl. Die Initiatoren gehören genau so an einen vorgeschlagenen runden Tisch wie alle anderen die sich am Projekt beteiligen wollen und zwar auch dann, wenn sie einigen unbequem erscheinen mögen. Der Ausschluß zeugt von einer himmelschreienden Arroganz und wenig Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Die Verwaltung hat die schwierige Aufgabe nun Alternativen zu suchen und auszuarbeiten. Auf die Expertiese der Kruses und des NABU soll bzw. muss nun verzichtet werden. Das ist nicht nur unvernünftig, das ist das Ergebnis eines persönlich gewordenen Rachefeldzuges gegen bürgerliches Engagement für den Natur- und Umweltschutz.

Landwirte am Zug: Wort halten!

Eigentlich gibt es nun nur Verlierer. Die Landwirte konnten die Errichtung von Wildbienennisthilfen an einem Lehrpfad nicht verhindern. Ob sie auch mit den gleichen Argumenten gegen die Nisthilfen an anderen Standorten vorgehen, wenn andere Bauern befürchten kein Gift mehr spritzen zu dürfen, bleibt fraglich. Der Bauernverein soll ja eingebunden werden damit das Projekt auf "breite Akzeptanz" bei der Bevölkerung stößt. Dabei schreibt der Landwirtschaftliche Ortsverein in seinem Antrag: "Der Landwirtschaftliche Ortverein Asbeck begrüßt grundsätzlich Initiativen und Projekte, die dem Landschafts- und Naturschutz dienen und von einer breiten Öffentlichkeit getragen werden." Was soll das heißen? Begrüßt man solche Projekte nicht, wenn sie unpopulär sind? Manchmal sind Naturschutzmaßnahmen unpopulär wenn sie Nachhaltig und sinnvoll sein sollen. Das widerspricht aber nicht dem Erfolg von derartigen Projekten oder Initiativen. Das alles wiederum belegt einmal mehr die Bigotterie und Haltlosigkeit der vom Landwirtschaftlichen Ortsverein vorgebrachten Argumente. Der Gemeinderat hat am Beschluss zur Errichtung eines Wildbienenlehrpfades festgehalten, wenn auch bei andern Vorraussetzungen. Das ist gut für die Natur, die Bienen und die Umwelt. Die Landwirte stehen aber nun im Wort: Wenn sie Landschafts- und Naturschutz so grundsätzlich begrüßen, wie sie es sagen, ist es nun an der Zeit den Einsatz von giftigen Pestiziden zu beenden. Letztendlich muss dann auch von den Landwirten selbst die Agrarwende eingeläutet werden wenn deren Worte nicht nur leere Worthülsen sein sollen. Die Landwirte sind sie nun am Zug. Sie stehen im Wort und damit in der Pflich die Ernsthaftigkeit ihrer Worte unter Beweis zu stellen und diese mit Leben und Projekten zu füllen.

Zur Sache

Jürgen Kruse gehte es nicht um die Befindlichkeiten. Ihm geht es um die Sache, den Naturschutz, die Bienen und die Umwelt. Das zeigt sich auch in seiner Stellungnahme zum neuerlichen Beschluss des Gemeinderates.

"Die Landwirte in Asbeck standen wegen ihrer Einlassungen (auch in Lokalzeit Münsterland) , dass ihre Pestizid-Praxis eingeschränkt werden könnte - quasi als Folge aus dem Wildbienenlehrpfad und demzufolge mit Artenschutz-Programmen nicht vereinbar ist, wahrscheinlich sehr unter Druck. Nun haben sie den Sprung nach vorn gemacht, und wollen eine gute Presse erreichen, mit der Behauptung, man sei immer schon für Naturschutz und Biodiversität! Zunächst ist es allerdings nur eine Ankündigung, man wolle nun ein neues Konzept entwickeln und selbst Wildbienennisthilfen aufstellen. Dabei scheinen sie zu vergessen, dass die Aufstellung von Gestellen mit Nistmöglichkeiten allein noch gar nichts bringt! Wesentlich ist ein artenreich blühendes Umfeld ganz in der Nähe der Nistmöglichkeiten. Das kann nur gewährleistet werden durch ein Netz von Biotopverbundlinien in Form von ausreichend breiten und artenreichen Hecken, Säumen und Rainen (Dauerblühstreifen mit heimischen Wildkräutern) usw.! Und genau das ist jahrelang/jahrzehnteland zerstört worden. Besonders in Legden und Asbeck gibt es aber eher Agrarwüsten und (illegal) überackerte kommunale Wegränder, zerfledderte Hecken (oder nur noch trostlose Spaliere und Stangenholz). Dazu kommt die flächendeckende Behandlung mit giftiger Gülle und mit Pestiziden. Besonders die Pestizideinsätze entlang von Gräben, Gewässern und Hecken bzw. Blühstreifen ist, wenn man wirklich Artenschutz und Biodiversitätssicherung will, zu überdenken bzw. einzustellen!" | Jürgen Kruse

Quellen und weitere Informationen:

  • Ratssitzung - Landwirte wollen sich um Wildbienen kümmern
    2017-01-24 | Ronny von Wangenheim | Münsterland Zeitung
    https://www.muensterlandzeitung.de/staedte/legden/48739-Legden~/Ratssitzung-Landwirte-wollen-sich-um-Wildbienen-kuemmern;art973,3201541
  • Stellungnahme des NABU Kreisverband Borken zum Ende des Projekts Wildbienenlehrpfad Asbecker Mühlenbach
    23 Januar 2017
    http://www.nabu-borken.de/2017/01/stellungnahme-des-nabu-kreisverband-borken-zum-ende-des-projekts-wildbienenlehrpfad-asbecker-muehlenbach/
  • Wildbienenlehrpfad - Nabu zieht sich von Projekt zurück
    20. Januar 2017 | Ronny von Wangenheim | Münsterland Zeitung
    http://www.muensterlandzeitung.de/staedte/legden/Wildbienenlehrpfad-Nabu-zieht-sich-von-Projekt-zurueck;art973,3198973
    Kommentare zum Artikel:
    http://www.muensterlandzeitung.de/staedte/legden/Wildbienenlehrpfad-Nabu-zieht-sich-von-Projekt-zurueck;art973,3198973,D
  • WDR Lokalzeit Münster
    https://www.facebook.com/plugins/video.php?href=https%3A%2F%2Fwww.facebook.com%2Fwdrlokalzeitmuensterland%2Fvideos%2F1381717118566133%2F
  • Antrag für Gemeinderat Landwirte gegen Wildbienenlehrpfad
    12. Januar 2017 | Ronny von Wangenheim | Münsterland Zeitung
    http://www.muensterlandzeitung.de/staedte/legden/Antrag-fuer-Gemeinderat-Landwirte-gegen-Wildbienenlehrpfad;art973,3193306
    Kommentare zum Artikel:
    http://www.muensterlandzeitung.de/staedte/legden/Antrag-fuer-Gemeinderat-Landwirte-gegen-Wildbienenlehrpfad;art973,3193306,D
  • Antrag des landwirtschaftlichen Ortsvereins Askbeck
    21.12.2016
    https://legden.ratsinfomanagement.net/sdnetrim/Lh0LgvGcu9To9Sm0Nl.Ha.GWq8Tq8Sj1Kg1HauCWqBZo5Ok5KeyIguDWt8Ur4Qp0Oe.LauCXuCWn4Oi0Lg-IbvDauHTp8To1Ok0HbwHau8Vt6Pi4RkzGbyGar8Um5Pm4KezJezIWtFUn5Qn4OfyGauDWu8WGJ/Oeffentliche_Sitzungsunterlagen_Gemeinderat_23.01.2017.pdf (Anlage am Ende der Sitzungunterlagen)
  • Wildbienen-Lehrpfad soll am Asbecker Mühlenbach entstehen
    07 Juni 2016
    http://www.nabu-borken.de/2016/06/180767/







 


Referenzen

Auch von Rainer Wermelt

Homepage: www.rainerwermelt.de
Kontakt: www.gaupel34.de
Flüchtlings-Info-Coesfeld: www.fi-coesfeld.de
Weihnachtsmarkt Coesfeld: www.weihnachtsmarkt-coesfeld.de
Freifunk Coesfeld: www.freifunk-coesfeld.de
Blickpunkt Coesfeld - Magazin für den Kreis Coesfeld: www.blickpunkt-coesfeld.de
Borderline Selbsthilfegruppe Münsterland: www.borderline-coesfeld.de
EX-IN - Einbeziehung Erfahrener in die Psychiatrie: www.ex-in.net
Contributions To The European Heritage: www.european-heritage.org
Mopszüchterverein:  www.vrz-dhs-mops.de

Short URL: http://linkcode.de/2ae

 


Zu guter Letzt

QR-Code

Der QR-Code für diese Seite. Der QR-Code für diese Seite.